2 gtm-studie-2016-aeb-In internationalen Lieferketten stehen die Zeichen auf Beschleunigung. Die Verringerung von Durchlauf- und Lieferzeiten hat für drei von vier Supply-Chain-Entscheidern hohe Bedeutung und ist damit wichtigstes Thema im Global Trade Management für 2016. Das zeigt die Studie „Global Trade Management Agenda 2016 – Kollaboration in der Supply Chain“ der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) in Stuttgart.

Firmen, die in der Lieferkette eng mit anderen zusammenarbeiten und mit ihnen gemeinsam Abläufe optimieren, verschaffen sich entscheidende Vorteile im Wettbewerb. Diese Ansicht teilen vier von fünf Außenhandels- und Logistikexperten (82,6 Prozent), die für die Studie befragt wurden. Außerdem erwarten sie sich als Ergebnis einer engeren Kollaboration in erster Linie optimierte Prozesse (87,3 Prozent). Für wahrscheinlich hält die große Mehrheit außerdem einen Gewinn an Knowhow und beschleunigte Abläufe entlang der Lieferkette (83,7 Prozent beziehungsweise 81,3 Prozent).

Gesunkene Transportkosten und kürzere Durchlaufzeiten

Welche zeitlichen und finanziellen Vorteile Kollaboration den Unternehmen tatsächlich bringt, verdeutlicht die Untersuchung ebenfalls: Am häufigsten können die Befragten durch Supply Chain Collaboration ihre Transportkosten senken (31,7 Prozent), außerdem verkürzen Unternehmen dadurch Durchlaufzeiten und reduzieren Verzögerungen bei Kundenbelieferungen (27,9 Prozent beziehungsweise 24,5 Prozent).

Quelle: Studie der AEB und DHBW: Global Trade Management Agenda 2016

Quelle: Studie der AEB und DHBW: Global Trade Management Agenda 2016

„An den Ergebnissen werden zum Beispiel beim Faktor Geschwindigkeit noch deutliche Differenzen zwischen erwarteten und tatsächlich erzielten Vorteilen durch Kollaboration sichtbar“, sagt Prof. Dr. Dirk Hartel, Studiengangsleiter für BWL-Dienstleistungsmanagement an der DHBW und Co-Autor der Studie. „Die Unternehmen erkennen also die Vorteile von Kollaboration in der Supply Chain. Viele schöpfen aber das Potenzial noch nicht voll aus.“

Für mehr als die Hälfte der Studienteilnehmer ist Kollaboration mit Kunden und Lieferanten in ihren Unternehmen mittlerweile Realität (57 Prozent beziehungsweise 55,4 Prozent). Der Transport ist der wichtigste Bereich für Kollaboration. 45 Prozent der Befragten arbeiten hier schon eng mit Partnern zusammen, 26 Prozent planen dies. Auch bei Beständen, Forecasting sowie Order- und Kapazitätsmanagement kollaborieren 30 bis 40 Prozent der Befragten mit anderen Firmen.

Flexible IT-Plattformen und Standards sind die Basis für den Erfolg

Ein weiteres Ergebnis: Unternehmen nutzen zur Kollaboration am häufigsten IT-Plattformen (58,5 Prozent) oder einigen sich auf Branchenstandards (56,9 Prozent). Wer bereits auf diese oder eine andere Weise mit Partnern eng zusammenarbeitet, beurteilt Supply Chain Collaboration sogar noch häufiger als Wettbewerbsvorteil (87,2 Prozent) als der Durchschnitt.

Aber auch Risiken werden gesehen. Am häufigsten befürchten die Befragten den Kontrollverlust über Daten und unklare Zuständigkeiten (71,1 Prozent beziehungsweise 70,6 Prozent). Jeder Vierte hält solche Probleme sogar für sehr wahrscheinlich. Ein weiterer häufig genannter Einwand gegenüber Kollaboration sind Bedenken wegen möglicher kultureller Differenzen, die zwischen den Beteiligten zu Problemen führen könnten (58,9 Prozent). Gut die Hälfte der Befragten erwartet zudem, dass die enge Zusammenarbeit nicht für beide Seiten gleichermaßen Gewinn abwirft (53,9 Prozent).

Beim Minimieren solcher Risiken helfen Internetplattformen mit verbindlichen Nutzervereinbarungen. Etwa in Bezug auf Berechtigungskonzept, Datenhaltung, Verfügbarkeit und sinnvollen Service Level Agreements. So nutzt es z.B. nicht viel, wenn eine vereinbarte Verfügbarkeit von 99,7 % jahresbasiert ist, und die fehlenden 0,3 % unter Umständen einen ganzen Tag Ausfall bedeuten können.

Die Studie basiert auf einer branchenübergreifenden Umfrage unter 319 Experten aus dem Umfeld Logistik, Außenwirtschaft und Supply Chain Management. Die Teilnehmer arbeiten in Unternehmen unterschiedlicher Größe aus verschiedenen Ländern, davon fast zwei Drittel aus Deutschland. Drei Viertel der Befragten (77,5 %) haben eine Leitungsfunktion inne (Unternehmens-, Abteilungs- oder Team- bzw. Projektleitung). Die von der DHBW Stuttgart in Kooperation mit einem Industriepartner durchgeführte Umfrage findet seit 2013 jährlich statt.