Bei den zweiten ShortSeaShipping Days in Lübeck beschäftigten sich kürzlich fast 400 Teilnehmer sowie über 40 Referenten und Diskussionspartner damit, wie der Kurzstreckenseeverkehr besser in die Logistikkette eingebunden werden kann. Lars Schöning, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Lübeck, wies darauf hin, dass in den deutschen Seehäfen bereits heute täglich Waren von über einer Milliarde Euro für deutsche Unternehmen in Containern bewegt werden. „Bis zum Jahr 2030 soll diese Zahl auf 2,4 Milliarden Euro wachsen“, zitierte Schöning aus einer Sonderauswertung auf Basis der Seeverkehrsprognose des Bundesverkehrsministeriums im Auftrag der IHK.

Schnittstellen im Kombinierten Verkehr müssen vereinfacht werden

Die Klimaziele und auch Güterverkehrsprognosen zeigten deutlich den Bedarf, künftig noch stärker auf nachhaltige multimodale Lösungen für den Containertransport zurückzugreifen. Optimierungspotenzial sahen die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion vor allem darin, den Kombinierten Verkehr (KV) mit seinen vielen Schnittstellen weiter zu vereinfachen. Es brauche „Architekten des Transports, die ein Rund-um-Sorglos-Paket schnüren“, so der einhellige Tenor. Auch bei Kooperationen und Zusammenarbeit unter den beteiligten Akteuren sah Knut Sander, Vorstandsvorsitzender des Veranstalters ShortSeaShipping Inland Waterway Promotion Center (spc), noch Potenzial, um am Ende eine Leistung aus einem Guss vermarkten zu können.

„Die fortschreitende Digitalisierung und die Verzahnung der industriellen Produktion mit moderner Informations- und Kommunikationstechnik im Sinne von Industrie 4.0 bieten auch dem Kurzstreckenseeverkehr neue Chancen“, zeigte sich Torsten Westphal, Geschäftsführer von Arkon Shipping, bei einer Diskussionsrunde auf der Veranstaltung überzeugt. Bei dieser Entwicklung sei Europa Vorreiter und könne durch Effizienzgewinne im Wettbewerb um günstige Produktionsstandorte punkten. Westphal machte deutlich, dass auf die Schifffahrt in der nächsten Zeit so viele Veränderungen auf einmal zukommen, dass von einem Paradigmenwechsel gesprochen werden könne. Zuvor gelte es aber, die bis dato längste Krise in der Schifffahrt zu überstehen.

Logistik 4.0 bietet Potenziale über die gesamte Wertschöpfungskette

In einem Interview mit Connected Industry erläutert Dr. Michael Lontke, Global Head of Information Technology & Organization bei der Hamburg Südamerikanische Dampfschifffahrts-Gesellschaft KG, mögliche Ansätze dafür durch Logistik 4.0: „Ich sehe riesige Potentiale verteilt über die gesamte Wertschöpfungskette. Es beginnt bei der Bereitstellung von Leercontainern, Steuerung der Schiffe, der Vorhersage bei der Wartung von Komponenten oder ganzen Containern, bis hin zum FCL oder LCL zum Kunden.“

Erste Ansätze davon seien bereits im Hamburger Hafen zu sehen, wenn entladene Container registriert werden, um Leerfahrten von Containern hin und weg vom Leerdepot zu vermeiden oder aber den Hinterlandverkehr an die Anläufe von Schiffen an die Terminals zu binden. Allerdings: „Die Digitalisierung der Schifffahrt steht noch ganz am Anfang. Doch diejenigen, die in der Lage sind, ihre globalen Prozesse zu kennen und zu standardisieren, werden die Gewinner bei der Automatisierung und Digitalisierung sein.“

catkin auf dem 2. Internationalen BME/VDV-Intermodalkongress

Beim 2. Internationalen BME/VDV-Intermodalkongress „Europa kombiniert vernetzen“ am 15. /16. September 2016 in Hamburg sollen die nächsten Schritte dafür besprochen werden. Unter anderem geht es um „Hafen 4.0“, „Smart Ports“ und die „zunehmende Digitalisierung in den Seehäfen“ sowie „Supply Chain Optimierung & Innovation“. Weitere Vortragsthemen sind z.B. auch „Intelligente Vernetzung zwischen Containerumschlag und -transport lässt Häfen und das Hinterland enger zusammenrücken“, „Wie kann die Last-Mile-Logistik intelligent gelöst werden? oder „Herausforderungen für Reedereien, wenn die Containerbranche die globalen Märkte weitervernetzt“.

Als Partner der Veranstaltung ist catkin in der begleitenden Ausstellung präsent und mit Geschäftsführer Christian Krüger auch in der Abschlussdiskussion mit Vertretern von Politik, Reedereien, Seehäfen Logistik/Spedition, Eisenbahn mit Hafen/Terminal und Verlader vertreten. Mit im Podium sitzen dort Vertreter von BMW, Maersk, VTG Rail, Contargo und Michael Cramer, Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Europäischen Parlament. Anmeldung zu der Veranstaltung hier. Anmeldeschluss ist der 11. August 2016.